Was ist Recovery?

Recovery ist ein englischer Begriff und bedeutet übersetzt „Genesung“, „Heilung“ oder auch „Wiederherstellung“. Der Begriff Recovery bezeichnet den Genesungsprozess eines Menschen bei einer psychischen Erkrankung.
Recovery oder auch Recovery-Konzept wird aber auch synonym für eine innere Haltung verwendet, die Fachpersonen im psychosozialen Bereich einnehmen und auf deren Grundlage die psychosoziale Versorgung von Menschen mit psychischen Krisen aufgebaut wird.

Die Grundaussage des Recovery-Konzepts ist, dass auch bei einer schweren psychischen Erkrankung und einem schweren Krankheitsverlauf Genesung jederzeit möglich ist. Dabei bedeutet Genesung nicht zwangsläufig die Freiheit von allen Symptomen, sondern dass eine Möglichkeit gefunden wird, wie auch mit eventuell noch vorhandenen Symptomen ein gutes Leben möglich ist. Recovery ist dabei eher als ein Weg zu sehen und nicht als Zielpunkt. „In Recovery sein“, kann bedeuten, sich auf diesem Weg zu befinden oder für das eigene Gefühl auch vollständig „recovered“ zu sein.

Das Recovery-Konzept hat seinen Ursprung in der Betroffenen-Bewegung. Menschen, die ihren Recovery-Weg gegangen sind haben sich aktiv dafür eingesetzt, dass die Realität der möglichen Genesung auch bei der Behandlung und Begleitung von psychischen Herausforderungen miteinbezogen wird.

Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff Recovery noch weitgehend unbekannt, im englischsprachigen Raum ist Recovery jedoch sehr präsent und wird als Basis für die staatliche Gesundheitsversorgung im psychosozialen Bereich verwendet. In England ist die Recovery-Orientierung staatlicher Gesundheitsangebote für psychische Gesundheit sogar gesetzlich festgelegt.

 

Hier findest du noch einige Definitionen von Recovery aus der Fachliteratur:

„Recovery ist ein zutiefst persönlicher, einzigartiger Veränderungsprozess der Haltung, Werte, Gefühle, Ziele, Fertigkeiten und Rollen. Es ist ein Weg, um trotz der durch die psychische Krankheit verursachten Einschränkungen ein befriedigendes, hoffnungsvolles und konstruktives Leben zu leben. Recovery beinhaltet die Entwicklung eines neuen Sinns und einer neuen Aufgabe im Leben, während man gleichzeitig über die katastrophalen Auswirkungen von psychischer Krankheit hinauswächst.“

(W. A. Anthony, «Recovery from Mental Illness: The Guiding Vision of the Mental Health Service System in the 1990s», 1993; Übersetzung aus „Recovery praktisch!“, S. 20; http://www.pflege-in-der-psychiatrie.eu/files/recovery/Recovery_praktisch-_PDF_Version_2012.pdf )

„Recovery findet statt, wenn Menschen gut mit dem Vorhandensein oder der Abwesenheit ihrer psychiatrischen Krankheit und den vielfältigen damit einhergehenden Verlusterfahrungen wie zum Beispiel Vereinsamung, Armut, Arbeitslosigkeit und Diskriminierung leben können. Recovery bedeutet nicht immer, dass die Menschen wieder vollständig gesunden oder alle ihre Verluste ungeschehen machen können. Es bedeutet hingegen durchaus, dass die Menschen trotz diesen Verlusten gut leben können.“

(Mental Health Commission: Blueprint for Mental Health Services in New Zealand; „How Things Need to Be“, Wellington 1998; Übersetzung aus „Recovery praktisch!“, S. 20; http://www.pflege-in-der-psychiatrie.eu/files/recovery/Recovery_praktisch-_PDF_Version_2012.pdf )

„Recovery ist weder Endprodukt noch Resultat. Es geht auch nicht darum, einfach „geheilt“ oder in der Gemeinde stabilisiert zu sein. Recovery bedeutet oft eine Transformation des Selbst, bei der man sowohl eigene Grenzen akzeptiert, als auch eine neue Welt von Möglichkeiten entdeckt.
Darin liegt das Paradox von Recovery: Indem man akzeptiert, was man nicht tun oder nicht sein kann, beginnt man zu entdecken, wer man sein und was man tun kann. Recovery ist ein Prozess. Es ist ein Lebensstil.“

(P. Deegan, Recovery and the conspiracy of hope, 1996, S.13; Übersetzung aus Recovery: Das Ende der Unheilbarkeit, M. Amering & M. Schmolke, 5. Auflage, S. 25)